
Ich war ja schon auf vielen Veranstaltungen, doch nun auch zum ersten Mal auf einem richtigen Barcamp. Viele Veranstaltungen hatten zwar schon Barcamp-Charakter, aber mehr Organisation. Kann ich auch verstehen, denn 300 Menschen lassen sich spontaner verwalten als 1500 (und essen auch weniger). Ich bin gerne bereit 10 Euro oder so zu bezahlen für Essen, Wissen und nen tolles T-Shirt, aber das wollen die ganzen Barcamper ja nicht (gemäß dem deutschen Grundsatz “Bildung muss unentgeldlich sein”).
Ich finde es super, wenn sowas ohne Eintrittskosten auskommt, aber finde die Grundhaltung des Schmarotzens sehr unanständig. Solange es nicht zur Bereicherung irgendwelcher Personen ist, sondern nur damit sich die Veranstaltung trägt, ist es durchaus okay.
Naja, jedenfalls war das Barcamp Mainz (2009) kostenlos. Dafür gab es super Themen, interessante Menschen, ein T-Shirt (jetzt hab ich auch ein “Ich war auf einem Barcamp”-Tshirt) und Lasagne Bolognese.
Samstag:
An sich ein super Tag, aber wenn man schon morgens Uni hatte, dann ist man doch von den ganzen Dozenten (auch wenn sie wirklich lebendige Vorlesungen machen) etwas erschöpft, freut sich aber irgendwie trotzdem auf das Aufregende, auf das Neue, auf das … Barcamp.
Hier muss ich nochmal schnell Kritik einschieben: Es wäre super gewesen, wenn man die Anreise etwas besser hätte Ausschildern können. Es gab nirgends irgendwelche Schilder oder Wegweiser und man irrte verwirrt mit einer ausgedruckten Map durch das leere Uni-Gelände in Mainz.
Schwimmen wir im medialen Ozean
Gleich als erstes kein Vortrag, sondern eine Diskussionsrude. Die Moderatorin Julia Stahl @Julietta13 hat es geschafft eine erstklassige Diskussion um Politik zu entfachen (und unsere Hoffnungen an gute Politik wieder zu erwecken). Andere Diskussionen wären wahrscheinlich eher zu einem “Nerds gegen Politiker” geworden, aber hier war es gut und ich schließe als persönliches Fazit: “Wir brauchen ein eignes Recht für Internet und Computer, anstatt Gesetzte von 1800 analog darauf anzuwenden”.
Das Schwarm Projektmanagement
Sehr schöne Präsentation. Es ging um Schwarmprojekte, welcher der Sessionleiter durch Erfahrungen bei der Firma *** gemacht hat. Dadurch (auch weil die Firma selbst dort Sponsor war), stieg einem der Name teilweise zu Kopf und man fragte sich, ob es nun um Wissen oder um Werbung geht. Abgeschlossen wurde die Session mit einer zweigeteilten Diskussion ob solche Schwarmsachen überhaupt Projekte im eigenlichen Sinne sind.
It’s all about the User – User centered Design als Strategie
Großartig! Lebendig! Ein sehr junger Dozent (und ich glaube auch Helfer des Barcamps) namens Tom Klose @humanized hat eine wirklich schöne Diskussion über den User im Mittelpunkt des Designs vorgestellt. Genaueres kann ich jetzt gar net mehr dazu sagen (ich brauch die Slides), aber durch ihn fand ich auch seinen super Blog “Humanized Interface” und kann euch nur empfehlen ihn (und seinen Vortrag) auf dem nächsten Webmontag kennen zu lernen.
What if the price of machines that think is people who don’t
Letzte Vortrag für Samstag. Wobei es auch eher eine Diskussion war, welche von Hendrik Sommerfeld @hsommerfeldt in die Richtung geleitet wurde, wieviele Entscheidungen man dem User abnehmen darf. Wie weit darf ich etwas vereinfachen und Entscheidungen im Namen des Users treffen? Wie weit macht uns unsere Technologie (Wikipedia) unmündig und warum müssen wie viel mehr Wissen wissen als vor 20 Jahren.
Party im KulturCafe an der Uni Mainz
Party ist definitiv das falsche Wort! Keine laute Musik, keine alkohol-befüllten Minderjährigen und keine “neue Jugendkultur”. Stattdessen war es genau das, was das Barcamp ausmacht: Netzwerken mit neuen Bekanntschaften, vertiefte Diskussionen über Internet und Programmierung, Austauschen von Berufserfahrungen (und etwas Flirten mit dem Mädchen aus der Küche).
Großartig war, dass das KulturCafe direkt unter dem besetzten Hörsaal war, wo Studentan auch am Wochenende sich voll mit dem Bildungsstreik beschäftigten und ihn ihrem Matratzenlager Filme schauten und lernen. Auch mit dieser Kulturschicht hatte ich ein sehr interessantes Gespräch und ich vermisse es (als Student einer privaten Hochschule) nicht selbst dort mitmachen zu können.
Sonntag
Scheisse! Alles verpasst! Krankheit und Erschöpfung haben mich daran gehindert am Sonntag nochmal mitzumachen!
Fazit:
Eine super Veranstaltung! Ich würde sagen, dass es sich auf jeden Fall gelohnt hat, so etwas hier in der Umgebung zu realisieren. Für die Vorträge wären noch ein paar mehr Teilnehmer (es waren 300) schön gewesen, aber dass hat auch die Diskussionen eher in kleinerem Rahmen gehalten. Mein Dank geht wahrscheinlich größtenteils an Darren Cooper @dc7590, den man wirklich überall sieht und der solche Veranstaltungen einfach zu Gold machen kann.
Beim nächsten Barcamp Mainz (oder was auch immer), bin ich dabei (das ist jetzt schon ne verbindliche Zusage zum Helfen und Organisieren). Freue mich schon auf den Webmontag.
Links:
Barcamp Mainz: http://www.barcampmainz.de
Twitter des Barcamps: http://twitter.com/bcmainz
Nächste verwandte Veranstaltung: Webmontag FFM http://www.webmontag.de/location/frankfurt/index


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